Abiy Ahmed räumt innenpolitische Fehler als Grund für Verlust des Rotmeerzugangs ein

Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed hat erneut betont, dass der Verlust des direkten Zugangs seines Landes zum Roten Meer weniger auf äußeren Druck als vielmehr auf innenpolitische Brüche zurückzuführen sei. In einer jüngsten Äußerung erklärte Abiy, das Land habe sich durch interne Uneinigkeit und fehlende strategische Geschlossenheit selbst in eine geopolitische Isolation manövriert. ‚Wir haben es selbst verloren‘, sagte er und verwies darauf, dass Äthiopien heute ein ‚geografischer Gefangener‘ sei – eingeklemmt zwischen regionalen Spannungen und eigenen strukturellen Schwächen.

Der Verlust des Meereszugangs ist seit Jahren ein sensibles Thema in der äthiopischen Politik. Historisch war Eritrea mit seinen Küstenregionen Teil Äthiopiens, bevor es 1993 nach einem Referendum unabhängig wurde. Seitdem ist Äthiopien ein Binnenstaat, was seine wirtschaftliche und strategische Position in der Region deutlich beeinträchtigt. Abiy hatte in der Vergangenheit wiederholt versucht, durch diplomatische Initiativen oder Verhandlungen mit Nachbarländern alternative Zugänge zu sichern – etwa über den Hafen von Berbera in Somaliland oder durch Abkommen mit Dschibuti.

Doch nun lenkt die Regierung den Blick nach innen. Abiy machte deutlich, dass interne Machtkämpfe, ethnische Spannungen und mangelnde institutionelle Kohärenz es unmöglich gemacht hätten, eine stabile, langfristige Außenpolitik zu verfolgen. Beobachter sehen in dieser Selbsteinschätzung einen seltenen Moment der politischen Selbstkritik – auch wenn die konkreten Konsequenzen bisher unklar bleiben. Die Anerkennung interner Fehler könnte jedoch ein Signal für eine mögliche Neuausrichtung der außenpolitischen Strategie sein.

Quellen: AllAfrica – Ethiopia