In Hannover hat heute der Prozess gegen einen Oberarzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vor dem Landgericht begonnen. Der Mediziner steht unter Anklage, mehrere schwerstkranke Patienten im Krankenhaus durch gezielte Medikamentengaben getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Mord in mehreren Fällen vor. Die mutmaßlichen Taten sollen sich im Rahmen der Behandlung von intensivpflichtigen Patienten ereignet haben.
Laut Anklage habe der Arzt bewusst hochdosierte Medikamente verabreicht, um das Leben der Patienten zu beenden, ohne dass dies medizinisch indiziert oder palliativ geboten gewesen sei. Die Ermittlungen wurden erst nach auffälligen Todesfällen eingeleitet, bei denen ein Muster in den Behandlungsprotokollen festgestellt wurde. Die Toten waren nach offiziellen Angaben alle schwerstkrank, jedoch nicht unmittelbar lebensbedrohlich akut akut in ihrer Prognose.
Der Verteidiger des Angeklagten argumentiert hingegen mit palliativmedizinischer Sedierung. Er betonte, es handele sich um medizinisch ethisch komplexe Entscheidungen am Lebensende, die im Einklang mit den Grundsätzen der Palliativversorgung stünden. Die Staatsanwaltschaft bleibt jedoch bei ihrer Einschätzung, dass hier vorsätzlich getötet wurde, und fordert eine umfassende strafrechtliche Aufarbeitung.
Der Fall wirft erneut Fragen nach den Grenzen der Sterbebegleitung im Klinikalltag auf. Die MHH betonte, dass sie die juristischen Ermittlungen vollumfänglich unterstützt und interne Prüfungen angestoßen hat. Die Verhandlung wird voraussichtlich mehrere Tage dauern und große Aufmerksamkeit in der medizinischen und juristischen Öffentlichkeit in Niedersachsen und bundesweit erregen.
Quellen: FAZ Online