Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat Algerien zu einem historischen Arbeitsbesuch erreicht – dem ersten seit vier Jahren. Ziel der Reise ist die Normalisierung der angespannten diplomatischen Beziehungen, die 2022 infolge der Westsahara-Entscheidung stark gelitten hatten. Damals hatte Spanien seine jahrzehntelange neutrale Haltung aufgegeben und Marokkos Autonomieplan für die umstrittene Region Westsahara offiziell unterstützt. Diese Entscheidung hatte in Algerien, das die Unabhängigkeitsbewegung der Polisario beherbergt und unterstützt, massive diplomatische Gegenreaktionen ausgelöst.
Der Besuch Sánchez’ markiert einen weiteren Schritt zur Annäherung zwischen beiden Ländern, nachdem bereits im vergangenen Jahr erste Signale zur Entspannung erkennbar waren. Algerien hatte damals die Zusammenarbeit mit Spanien in Sicherheits- und Energiefragen wieder aufgenommen. Beim Treffen in Algier betonte Sánchez den Willen, die bilateralen Beziehungen zu vertiefen und auf gemeinsamen Interessen wie Migration, Energie und regionale Stabilität aufzubauen. Allerdings blieb die Westsahara-Frage bewusst außen vor – ein Zeichen dafür, dass Spanien weiterhin ein Gleichgewicht zwischen seinen Partnern Marokko und Algerien wahren will.
Die jüngste Annäherung unterstreicht die geopolitische Bedeutung Marokkos im westlichen Nordafrika. Während Algier weiterhin die Unabhängigkeit der Westsahara befürwortet, hat Spanien – ebenso wie die USA und mehrere EU-Staaten – Marokkos Pläne für eine autonome Region befürwortet. Diese Unterstützung hat Marokko diplomatisch gestärkt, bleibt jedoch ein Zankapfel mit anderen afrikanischen und arabischen Staaten. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Region weiterhin sensibel auf außenpolitische Entscheidungen reagiert – und Marokko im Zentrum komplexer diplomatischer Abwägungen steht.
Quellen: France 24 – Africa, Africanews EN