Thüringen: Industrie entnimmt Grundwasser kostenlos trotz anhaltender Dürre

In Thüringen bleibt die industrielle Wassernutzung ein sensibles Thema: Trotz wachsender Dürreprobleme und sinkender Grundwasserspiegel dürfen Unternehmen weiterhin Grund- und Flusswasser kostenlos entnehmen. Diese Praxis unterscheidet Thüringen von einigen anderen Bundesländern, in denen bereits Entnahmeentgelte gelten, um den Ressourcenverbrauch zu steuern und einzudämmen.

Die derzeit geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in Thüringen sehen keine direkten Wasserentgeltgebühren für die Industrie vor – weder für die Nutzung von Oberflächengewässern noch für die Entnahme aus Grundwasserleitern. Kritiker bemängeln, dass diese Regelung in Zeiten klimabedingter Wasserknappheit nicht mehr zeitgemäß sei. Während private Haushalte durch Wasserzähler und steigende Preise zur Einsparung motiviert werden, entfallen für große Verbraucher wie Produktionsbetriebe oder Brauereien entsprechende Anreize.

Der Mangel an finanziellen Hemmnissen könnte langfristig zu einer Übernutzung sensibler Wasserressourcen führen, warnen Umweltverbände und Hydrologen. Besonders in Regionen Thüringens, die bereits unter niedrigen Pegelständen von Flüssen wie der Saale oder dem Werra-Abschnitt leiden, wird die Diskussion um eine gerechtere Verteilung lauter. Die Landesregierung argumentiert bisher mit bestehenden Bewilligungsverfahren und ökologischen Grenzwerten, die einen schädlichen Eingriff in die Ökologie verhindern sollen.

Trotzdem fordern Experten eine Neubewertung der Entnahmeregelungen. Eine kostenpflichtige Wasserentnahme könnte nicht nur die Ressourcennutzung effizienter gestalten, sondern auch Mittel für Gewässerschutzprojekte generieren. Ob Thüringen hier rechtzeitig gegensteuert, bleibt abzuwarten – vor allem angesichts der prognostizierten Zunahme extremer Trockenperioden in den kommenden Jahrzehnten.

Quellen: MDR – Nachrichten, MDR – Deutschland