In der libyschen Hauptstadt Tripolis haben sich am Montag gewaltsame Proteste gegen die andauernden Stromausfälle ausgeweitet. Bürger blockierten mehrere Hauptstraßen und stürmten das Außenministeriumsgebäude, um gegen die prekäre Versorgungslage zu demonstrieren. Die Proteste sind Teil einer landesweiten Kampagne des zivilen Ungehorsams, die von lokalen Aktivisten initiiert wurde, nachdem monatelange Stromunterbrechungen die Lebensgrundlagen vieler Haushalte beeinträchtigt haben.
Augenzeugen berichteten von stundenlangen Warteschlangen vor Generatoren-Verleihstationen und einem massiven Anstieg der Benzinpreise, da viele Haushalte auf Notstromaggregate angewiesen sind. Die Stromnetze in Libyen leiden seit dem Zusammenbruch der staatlichen Infrastruktur nach dem Bürgerkrieg unter chronischen Defiziten. Techniker warnen zudem vor einem vollständigen Kollaps des Stromnetzes, falls keine dringenden Reparaturen und Investitionen erfolgen.
Die regierende Einheitsregierung in Tripolis reagierte bislang mit keiner offiziellen Stellungnahme. Beobachter vermuten jedoch, dass die Proteste die ohnehin fragile politische Lage weiter destabilisieren könnten. Internationale Organisationen wie die UN-Unterstützungsmission in Libyen (UNSMIL) haben zur Ruhe aufgerufen und einen Dialog zwischen den Behörden und der Zivilgesellschaft gefordert, um eine Eskalation zu verhindern.
Quellen: Al Jazeera English