Guineischer Polizeikolonel im Stadionmassaker von 2009 freigesprochen

Ein guineischer Gerichtshof hat im Fortgang des langjährigen Verfahrens um das Stadionmassaker von 2009 einen hochrangigen Polizeibeamten freigesprochen. Der Fall betrifft das blutige Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten im September 2009 im Stadion von Conakry, bei dem damals über 150 Menschen getötet und zahlreiche Frauen sexuell missbraucht wurden.

Laut Angaben von Africanews wurden insgesamt acht Angeklagte im Zusammenhang mit den Gewalttaten verurteilt oder freigesprochen. Während sieben Personen Strafen von mehreren Jahren bis lebenslänglich erhielten, blieb der Polizeikolonel von einer Verurteilung ausgeschlossen. Die genauen rechtlichen Gründe für die Freisprechung wurden zunächst nicht öffentlich gemacht, was bei Menschenrechtsorganisationen und Opferverbänden Unmut auslöst.

Drei weitere militärische Verdächtige, die ebenfalls in die Ereignisse verwickelt sein sollen, gelten weiterhin als flüchtig. Das Massaker von 2009 gilt als eines der blutigsten Kapitel der jüngeren Geschichte Guineas und fand international starken Widerhall. Die damalige Übergangsregierung unter Captain Moussa Dadis Camara wurde beschuldigt, die Gewalt gezielt angeordnet zu haben.

Obwohl das Gerichtsverfahren als Schritt zur Aufarbeitung gewertet wird, kritisieren Beobachter, dass die strafrechtliche Verfolgung noch immer unvollständig ist. Viele Opfer und Angehörige fordern eine lückenlose Aufklärung und die strafrechtliche Verantwortung aller Beteiligten – einschließlich jener im Militär, die bis heute nicht vor Gericht standen.

Quellen: Africanews EN