Der Leiter der Gedenkstätte „Runde Ecke“ in Leipzig, Tobias Hollitzer, wurde am Mittwoch mit sofortiger Wirkung entlassen und freigestellt. Die Entscheidung traf der Trägerverein der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt, wie aus Kreisen der Einrichtung bekannt wurde. Hollitzer hatte die Leitung des geschichtsträchtigen Ortes seit mehreren Jahren inne und war in dieser Zeit immer wieder in die Kritik geraten – insbesondere wegen der inhaltlichen Ausrichtung der Dauerausstellung.
Die Dauerausstellung in der „Runden Ecke“ wird seit Jahren dafür kritisiert, dass sie die Rolle der Staatssicherheit in der DDR nicht ausreichend thematisiert und stattdessen einzelne Akteure überzufällig in den Vordergrund rückt. Wissenschaftler und Zeitzeugen hatten mehrfach auf Mängel hingewiesen, darunter auch eine einseitige Interpretation historischer Zusammenhänge. In den vergangenen Monaten hatte sich der Druck auf die Trägerorganisation erhöht, handelnd einzugreifen.
Die „Runde Ecke“ in Leipzig gilt als einer der bedeutendsten Erinnerungsorte der friedlichen Revolution 1989. Aus der Montagsdemonstrationsbewegung heraus entstand hier eine der ersten Bürgerinitiativen, die die Besetzung der Stasi-Zentrale forderte. Heute ist das Gebäude eine Gedenkstätte und Mahnmal gegen politische Willkür. Mit der Entlassung Hollitzers signalisiert die Institution, dass die inhaltliche Neuausrichtung der Ausstellung nun konsequent angegangen werden soll. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht bekannt.
Quellen: MDR – Nachrichten