In der äthiopischen Region Tigray sind am 1. August 2026 erneut bewaffnete Auseinandersetzungen ausgebrochen. Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Gegend um Sheraro im westlichen Tigray, einem Gebiet, das bereits während des mehrjährigen Bürgerkriegs zwischen der äthiopischen Bundesregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) schwer umkämpft war. Die jüngsten Kollisionen stellen eine der schwersten Bedrohungen für das seit 2022 geltende Pretoria-Friedensabkommen dar, das eigentlich den Konflikt beenden sollte.
Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich. Die äthiopische Regierung wirft der TPLF vor, militärisch aggressive Manöver in einer entmilitarisierten Zone durchzuführen, während die TPLF ihrerseits behauptet, auf unprovozierte Angriffe staatlicher Truppen reagiert zu haben. Unabhängige Beobachter warnen, dass die jüngsten Vorfälle das Vertrauen zwischen den Konfliktparteien weiter untergraben könnten und eine erneute Eskalation des Konflikts droht.
Das Pretoria-Abkommen, das im November 2022 unter Vermittlung der Afrikanischen Union unterzeichnet wurde, sah die Entwaffnung der TPLF, die Wiederherstellung staatlicher Institutionen in der Region und die Einführung einer friedlichen Verwaltung vor. Seitdem blieb die Lage jedoch instabil, insbesondere in Gebieten wie westlichem Tigray, wo territoriale und ethnische Spannungen weiterbestehen. Internationale Organisationen beobachten die Entwicklung mit großer Sorge, da eine Rückkehr zu großflächigen Kämpfen humanitäre und sicherheitspolitische Konsequenzen für die gesamte Region des Horns von Afrika hätte.
Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union haben zu einer sofortigen Deeskalation aufgerufen und betonen, dass nur ein dauerhafter politischer Dialog eine nachhaltige Lösung ermöglichen kann. Bisher ist unklar, ob die jüngsten Kämpfe bereits isolierte Vorfälle waren oder den Beginn einer neuen Konfliktphase markieren.
Quellen: Al Jazeera English