Die Übergangsbehörde der äthiopischen Region Tigray hat schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung in Addis Ababa erhoben und eine neue militärische Offensive im westlichen Teil der Region angeprangert. Wie offizielle Vertreter aus Tigray berichteten, seien in den letzten Tagen verstärkte Kampfhandlungen und Truppenbewegungen in der umkämpften Region beobachtet worden, die das 2022 unterzeichnete Pretoria-Friedensabkommen ernsthaft gefährden könnten.
Das Abkommen, das nach einem mehr als zwei Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen den Streitkräften der äthiopischen Regierung und den Tigray-People’s Liberation Front (TPLF) geschlossen wurde, gilt als entscheidender Schritt zur Stabilisierung des ostafrikanischen Landes. Es sah unter anderem die Demobilisierung von Kämpfern, die Wiedereingliederung der Region in die staatliche Verwaltung und die Entmachtung bewaffneter Gruppen vor. Nun fürchten Beobachter, dass die jüngsten Vorwürfe eine Eskalation auslösen könnten, die den zerbrechlichen Frieden endgültig zerschlägt.
Die Anschuldigungen aus Tigray wurden bislang von der äthiopischen Bundesregierung nicht offiziell kommentiert. Unabhängige Bestätigungen über die Lage im westlichen Tigray sind aufgrund von Kommunikationseinschränkungen und eingeschränktem Zugang für Medien und Hilfsorganisationen schwer zu verifizieren. Dennoch warnen internationale Beobachter vor einer erneuten humanitären Katastrophe, sollte sich der Konflikt tatsächlich neu entfachen.
Die Region Tigray war während des Bürgerkriegs schwer verwüstet worden. Zehntausende Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. Die internationale Gemeinschaft hatte nach dem Friedensschluss vorsichtig Hoffnung auf eine politische Normalisierung geäußert. Die aktuellen Entwicklungen werfen nun jedoch die Frage auf, ob die Waffenruhe nachhaltig war oder lediglich eine Atempause zwischen zwei Konfliktphasen darstellte.
Quellen: AllAfrica – Latest, AllAfrica – East Africa, AllAfrica – Ethiopia