Im Zuge der bundesweiten Debatte über islamistischen Extremismus nach dem Anschlag auf die CSD-Parade in Berlin rückt auch Hamburg verstärkt in den Fokus. Das norddeutsche Bundesland beherbergt laut Sicherheitsbehörden eine der aktivsten Islamisten-Szenen Deutschlands. Gleichzeitig gilt die Hamburger Fachberatungsstelle Legato als Vorreiter in der Aussteigerberatung. Die Einrichtung arbeitet seit Jahren daran, Menschen, die sich in salafistischen oder islamistischen Milieus bewegen, einen Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen.
Legato setzt dabei auf ein niedrigschwelliges Ansprachemodell: Anonymität, Vertraulichkeit und respektvolle Kommunikation stehen im Zentrum. Die Berater:innen versuchen, Kontakt zu radikalisierten Personen herzustellen – oft über soziale Netzwerke oder indirekte Vermittlungswege. Ziel ist es, den Betroffenen psychologische Unterstützung, rechtliche Beratung und soziale Perspektiven zu bieten, um einen Ausstieg aus der Szene zu ermöglichen. „Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, sondern da abzuholen, wo er steht“, beschreibt eine Mitarbeiterin die Haltung der Einrichtung.
Die Arbeit von Legato gewinnt angesichts aktueller Sicherheitslagen zusätzlich an Bedeutung. Der Innenausschuss des Bundestags diskutiert derzeit über den Umgang mit sogenannten Gefährdern, während gleichzeitig die Präventionslandschaft unterfinanziert bleibt. In Hamburg jedoch gilt das lokale Modell als erfolgreich – auch weil es eng mit Schulen, Sozialämtern und Polizei kooperiert, ohne dass dies stigmatisierend wirkt. Expert:innen betonen, dass langfristige Prävention der Schlüssel sei, um Radikalisierung entgegenzuwirken – gerade in urbanen Zentren wie Hamburg, in denen sich vielfältige religiöse und kulturelle Netzwerke überlappen.
Quellen: ZDF Heute – Nachrichten