Am Donnerstag eskalierte die Lage um die Pressefreiheit in Äthiopien erneut, als der Chefredakteur des renommierten unabhängigen Mediums Addis Standard, Yonas Kedir, nach Angaben der Redaktion von staatlichen Sicherheitskräften entführt, physisch angegriffen und inhaftiert wurde. Der Übergriff ist Teil einer Serie von Maßnahmen, die international als systematische Unterdrückung kritischer Berichterstattung gewertet werden.
Neben der Festnahme Kedirs berichtet Addis Standard von einer Razzia in ihren Redaktionsräumen, bei der Ausrüstung beschlagnahmt und teils zerstört wurde. Zudem erhielt die Publikation eine Räumungsaufforderung für ihre Geschäftsräume – ein weiterer schwerer Schlag für eine der wenigen verbliebenen unabhängigen Stimmen im äthiopischen Mediensystem. Die Pariser Journalistennetzwerk France 24 bestätigte, dass Kedir über soziale Medien mit fast einer Million Followern verfügt und somit eine bedeutende öffentliche Rolle spielt.
Internationale Empörung wächst
Das Committee to Protect Journalists (CPJ) verurteilte die Aktionen scharf und sprach von einer „eskalierenden Kampagne“ der äthiopischen Behörden zur Zerschlagung unabhängiger Medien. Auch andere internationale Beobachter warnen vor einem schrittweisen Abbau demokratischer Freiheiten. Die äthiopische Regierung hat bislang keine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben.
Addis Standard, das sowohl online als auch als Printmedium erscheint, gilt als eine der letzten verlässlichen Quellen für investigativen Journalismus im Land. Die jüngsten Angriffe werfen ernste Fragen über den Zustand der Meinungsfreiheit in Äthiopien auf, besonders zu einem Zeitpunkt, da politische Spannungen im Norden des Landes weiter anhalten.
Quellen: AllAfrica – Latest, BBC News – Africa, France 24 – Africa