Ein internationales Forscherteam aus Leipzig und Stockholm hat einen genetischen Schlüssel entdeckt, der zeigt, wie das Erbgut des Neandertalers bis heute den menschlichen Körper beeinflusst. Die Studie identifizierte einen spezifischen Wachstumshormonrezeptor, der von Neandertalern stammt und bei manchen Menschen noch heute aktiv ist. Personen, die diesen Rezeptor geerbt haben, weisen demnach eine höhere Muskelmasse sowie eine anders geformte Unterkieferstruktur auf – ein evolutionäres Erbe aus einer Zeit vor rund 47.000 Jahren.
Die Forschung, an der Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig maßgeblich beteiligt waren, analysierte Genomdaten von Tausenden Probanden und verglich sie mit fossilen DNA-Spuren. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die langfristigen biologischen Auswirkungen der Vermischung zwischen Homo sapiens und Neandertalern. Besonders bemerkenswert sei, dass diese genetischen Merkmale nicht nur kosmetisch, sondern funktionell relevant seien – etwa in der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung Leipzigs als internationales Zentrum für Evolutionsforschung. Die Entdeckung wirft auch Fragen darüber auf, wie vergangene Evolutionsschritte moderne Gesundheitsmerkmale beeinflussen könnten – von Stoffwechsel bis hin zu Verletzungsanfälligkeit. Die Forscher betonen, dass solche Erkenntnisse langfristig auch für die Medizin von Bedeutung sein könnten.
Quellen: MDR