„Grenzgang“ sorgt für Wirbel: Blackfacing in hessischer Kleinstadt Biedenkopf

In der hessischen Kleinstadt Biedenkopf steht das traditionelle Volksfest „Grenzgang“ erneut in der Kritik. Alle sieben Jahre marschieren Hunderte Teilnehmer entlang historischer Grenzmarkierungen – begleitet von einer Figur, deren Gesicht schwarz geschminkt ist und die einen Namen trägt, der heute als rassistisch empfunden wird. Während die Veranstalter die Figur als Teil lokaler Geschichte verteidigen, sehen Kritiker darin eine Form von Blackfacing, die diskriminierende Klischees reproduziert.

Das Fest erinnert an die gemeinsame Bewirtschaftung von Waldflächen durch mehrere Dörfer im Mittelalter. Die schwarze Maske soll laut Organisatoren symbolisch für den Schmutz stehen, den die Grenzposten beim Markieren der Grenzen abbekamen. Doch diese Erklärung reicht vielen nicht mehr aus. Antidiskriminierungsgruppen und Historiker weisen darauf hin, dass solche Darstellungen in der deutschen Vergangenheit oft mit kolonialen und rassistischen Vorstellungen verknüpft waren.

Ähnliche Traditionen wurden in anderen Bundesländern bereits modifiziert oder abgeschafft. In Biedenkopf bleibt die Debatte jedoch emotional. Während einige Bürger die Tradition als kulturelles Erbe schützen wollen, fordern andere eine Neubewertung im Sinne einer inklusiven Gesellschaft. Die Stadtverwaltung kündigte an, den Diskurs aktiv begleiten zu wollen, ohne jedoch bisher konkrete Änderungen anzukündigen.

Quellen: ntv – Nachrichten