Schattenflotten-Tanker ‚Eventin‘ vor Rügen: Beschlagnahmung vorerst abgelehnt

Seit Anfang des Jahres liegt der havarierte Tanker ‚Eventin‘ vor der Küste Rügens in der Ostsee und beschäftigt Behörden, Umweltschützer und die lokale Politik. Obwohl das Schiff als Teil einer sogenannten Schattenflotte gilt und unter internationalem Sanktionsverdacht steht, wird eine sofortige Beschlagnahmung vorerst nicht erfolgen.

Wie aus Kreisen der Bundespolizei und des Zolls bekannt wurde, fehlen aktuell die rechtlichen Grundlagen für ein Einleiten eines Beschlagnahmeverfahrens. Obwohl das Schiff mutmaßlich Sanktionen gegen Russland umgeht, ist es unter einer Drittlizenz registriert, was die Rechtslage kompliziert. Zudem befindet sich der Tanker in internationalen Gewässern, was zuständigkeitstechnische Hürden erhöht.

Die Behörden betonen, dass die ‚Eventin‘ weiterhin streng überwacht wird. Satellitenbilder, Drohneneinsätze und regelmäßige Patrouillen durch die Küstenwache dienen dazu, mögliche Umweltgefahren oder illegale Ladungsumschläge zu verhindern. Gleichzeitig beraten Bundes- und Landesbehörden aus Mecklenburg-Vorpommern über rechtliche Wege, um in Zukunft schneller reagieren zu können.

Lokale Umweltgruppen wie die Ostseeinitiative Rügen kritisieren die Zurückhaltung. ‚Ein havariertes, marodes Schiff in unserer Nähe – das ist ein Risiko, das wir nicht eingehen dürfen‘, so ein Sprecher. Die Landesregierung in Schwerin hat angekündigt, das Thema auf der nächsten Bund-Länder-Konferenz zur maritimen Sicherheit zur Sprache zu bringen.

Quellen: ntv – Nachrichten