Vor genau 40 Jahren, am 21. August 1986, ereignete sich eine der seltensten und tödlichsten Naturkatastrophen der Neuzeit: Im Nordwesten Kameruns entwich im Nyos-See eine gewaltige Menge Kohlendioxid aus den Tiefen des vulkanisch aktiven Gewässers. Die unsichtbare Gaswolke erstickte in der Nacht über 1.700 Menschen und zahlreiche Tiere in den umliegenden Dörfern. Der Vorfall gilt als weltweit schwerste dokumentierte sogenannte ‚limnische Eruption‘ – ein plötzliches Aufsteigen von unter Druck stehenden Gasen aus tiefen Seen.
Der Nyos-See liegt in einer vulkanisch aktiven Region des Kameruner Vulkangürtels. Jahrelang hatte sich am Seegrund Kohlendioxid aus dem Erdinneren angereichert. Durch einen bis heute ungeklärten Auslöser – möglicherweise ein Erdrutsch oder ein kleiner Erdbebenherd – wurde das Gas schlagartig freigesetzt. Die schwerere als Luft seiende CO₂-Wolke breitete sich rasch entlang des Tals aus und verdrängte die Atemluft. Die Betroffenen erstickten innerhalb weniger Minuten, oft ohne Warnzeichen wahrzunehmen.
Seit dem Desaster wurde der See mit Entgasungsrohren systematisch entlastet, um eine erneute Katastrophe zu verhindern. Doch Forscher warnen, dass ähnliche Seen wie der Monoun-See in Kamerun oder der Kivu-See in Zentralafrika weiterhin unterschätzt werden. 40 Jahre nach Nyos bleibt die Überwachung und Risikobewertung solcher Gewässer eine wissenschaftliche und politische Herausforderung.
Quellen: AllAfrica – Latest, AllAfrica – West Africa, AllAfrica – Central Africa