Energiekrise erschüttert libysche Hauptstadt trotz Ölreichtums

Libyen erlebt eine seiner schwersten Energiekrisen seit Jahren: Trotz seiner beträchtlichen Ölreserven leiden Millionen Menschen unter anhaltenden Stromausfällen und dramatischen Kraftstoffknappheiten. In der Hauptstadt Tripoli greifen Kunden in Lebensmittelläden mittlerweile zu Taschenlampen ihrer Handys, um Produkte in verdunkelten Regalen zu finden. Viele Geschäfte können ihre Kühlketten nicht mehr aufrechterhalten, was zu hohen Verlusten führt.

Ölreichtum versus infrastrukturelle Brüche

Die Paradoxie eines ölreichen Landes, das an Energie mangelt, resultiert aus jahrelangem Konflikt, fehlender Infrastrukturwartung und politischer Fragmentierung. Ölfelder werden immer wieder blockiert, Raffinerien arbeiten unter Volllast nur zeitweise, und die Stromnetze sind marode. Experten weisen darauf hin, dass die Aufteilung der staatlichen Institutionen zwischen Ost und West auch die Koordination der Energiewirtschaft unmöglich macht.

Im Hochsommer verschärft sich die Lage zusätzlich: Ohne zuverlässige Stromversorgung können Klimaanlagen oder Wasserpumpen nicht funktionieren. Bürger berichten von bis zu 18 Stunden täglich ohne Strom. Die Regierung in Tripolis kündigte Notmaßnahmen an, doch konkrete Lösungen bleiben aus. Die Energiekrise könnte neue soziale Unruhen befeuern, warnen Analysten.

Quellen: Africanews EN