Staatsanwaltschaft identifiziert mutmaßlichen Täter des antisemitischen Anschlags von 1970 in München

Die Ermittlungen zum bislang ungeklärten Brandanschlag von 1970 in München nehmen eine neue Wendung: Die Staatsanwaltschaft München I erklärte am Samstag, einen mutmaßlichen Täter ausfindig gemacht zu haben. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen ehemaligen Neonazi, der damals in rechtsextremen Kreisen aktiv gewesen sein soll. Der Anschlag hatte am 23. April 1970 das jüdische Gemeindezentrum in der Münchner Brienner Straße getroffen, bei dem sieben Holocaust-Überlebende ums Leben kamen.

Der Fall war jahrzehntelang als ungeklärt verschlossen worden, obwohl es immer wieder Hinweise auf rechtsextreme Täter gab. Erst durch neue Zeugenaussagen und archivierte Dokumente gelang es Ermittlern, eine Verbindung zu einem heute über 80-jährigen Mann herzustellen. Ob Anklage erhoben wird, hängt von weiteren forensischen und juristischen Prüfungen ab, da der Verdächtige gesundheitlich angeschlagen sein soll.

Kritik kommt von einem Gastautor der Welt, der die These eines Neonazi-Täters als „abwegig“ bezeichnet und auf fehlende Beweise hinweist. Dennoch begrüßen jüdische Organisationen und Überlebende jede Bemühung, Licht in eines der dunkelsten Kapitel antisemitischen Terrors in der Nachkriegsgeschichte Bayerns zu bringen. Die Generalstaatsanwaltschaft prüft, ob das Verfahren wieder aufgenommen wird.

Quellen: Welt Online