Wiesn-Zensur: Schausteller protestieren gegen Münchner Regelung zu Pappfiguren

Ein jahrzehntealter Brauch steht in München auf dem Prüfstand: Knapp bekleidete Pappfiguren in Fahrgeschäften der Wiesn. Die Stadt hat nun Stellung bezogen und eine Änderung gefordert – mit Folgen. Mehrere Schausteller zeigen sich empört und boykottieren den traditionellen Eröffnungsrundgang des Oktoberfests. Seit über 80 Jahren gehören solche Figuren zu den Attraktionen auf dem Volksfest, doch das soll sich nun ändern.

Die Stadt München begründet ihre Kritik mit zeitgemäßen gesellschaftlichen Standards und sieht in den Darstellungen eine potenzielle Herabwürdigung von Frauen. Für viele Schausteller ist dies jedoch nichts anderes als Zensur. „Das ist unsere Tradition, das gehört zur Wiesn wie Bier und Brezn“, klagt ein Betreiber gegenüber Medien. Sie befürchten, dass mit dieser Maßnahme ein Eingriff in ihre künstlerische und wirtschaftliche Freiheit verbunden ist.

Die Diskussion spaltet die Szene: Während einige Betreiber bereit sind, Anpassungen vorzunehmen, lehnen andere jede Änderung ab. Der Protest zeigt sich nicht nur verbal, sondern auch symbolisch – durch die Abwesenheit beim Rundgang, der sonst ein Zeichen der Geschlossenheit ist. Die Entscheidung könnte langfristig das Erscheinungsbild der Wiesn verändern, die ohnehin mit dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne ringt.

Quellen: ZDF Heute – Nachrichten, Süddeutsche Zeitung