Spanien hat mit einer geplanten Staatsbürgerschaftsregelung für Angehörige der Sahrawi-Bevölkerung eine diplomatische Welle in Marokko ausgelöst. Der Entwurf eines neuen Gesetzes, das Sahrawi die spanische Staatsbürgerschaft erleichtern soll, wird in Rabat als schwerwiegende Einmischung in die inneren Angelegenheiten Marokkos und als Unterstützung der Polisario-Front gewertet. Marokko betrachtet die Westsahara als untrennbaren Teil seines Territoriums und sieht in der Initiative Madrider Kreise als Versuch, den Konflikt um die umstrittene Region erneut aufzuwärmen.
Diplomatischer Konfliktpunkt zwischen Madrid und Rabat
Die Westsahara ist seit Jahrzehnten umstritten: Während Marokko die Region als eigenes Gebiet verwaltet, fordert die von der Polisario-Front unterstützte Sahrawi-Arabische Demokratische Republik (SADR) die Unabhängigkeit. Spanien, das bis 1975 Kolonialmacht in der Region war, bleibt in der Debatte eine Schlüsselperson. Die neue Regelung, die möglicherweise Tausende von Sahrawi betreffen könnte, wird in Marokko als Bruch des informellen diplomatischen Konsenses gesehen, der in den letzten Jahren zwischen beiden Ländern entstanden war.
Die marokkanische Regierung hat bereits interne Beratungen über mögliche Gegenmaßnahmen eingeleitet. Beobachter befürchten, dass die Debatte um die Staatsbürgerschaft die Zusammenarbeit in sensiblen Bereichen wie Migration, Sicherheit und Energie gefährden könnte. Marokko ist ein wichtiger Partner Spaniens bei der Kontrolle der Migrationsrouten über das Mittelmeer – eine Rolle, die bei einer weiteren Eskalation infrage gestellt sein könnte.
Quellen: Al Jazeera English