Sprachbrücke für Gehörlose: Dolmetscher in Abidjan setzt sich für inklusive Gesellschaft ein

In der Elfenbeinküste leben nach Schätzungen rund 75.000 Menschen mit Hörbehinderung. Für viele von ihnen ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgrund fehlender barrierefreier Kommunikation stark eingeschränkt. Alltägliche Situationen wie Arztbesuche, Behördengänge oder Bildungszugang gestalten sich besonders schwierig, wenn keine Gebärdensprache verstanden oder angeboten wird.

Israël Mansaré, Psychologe und ausgebildeter Gebärdensprachdolmetscher aus Abidjan, hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Kommunikationslücke zu schließen. Als einer der wenigen professionellen Dolmetscher für Gehörlose im Land fungiert er als Bindeglied zwischen der gehörlosen Gemeinschaft und der hörenden Gesellschaft. Er begleitet Betroffene nicht nur bei medizinischen oder administrativen Terminen, sondern sensibilisiert auch öffentliche Institutionen für die Notwendigkeit inklusiver Strukturen.

„Gehörlose Menschen haben Rechte, aber ohne Zugang zur Sprache können sie diese nicht wahrnehmen“, betont Mansaré. Sein Engagement geht über die reine Dolmetschart hinaus: Er arbeitet an Bildungsprojekten, führt Schulungen durch und setzt sich für die Anerkennung der Gebärdensprache als offizielle Kommunikationsform ein. In einem Land, in dem Themen wie Behinderung oft tabuisiert werden, leistet er Pionierarbeit für mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung.

Experten fordern, dass die Regierung strukturelle Maßnahmen ergreift – von der Ausbildung weiterer Dolmetscher bis hin zur Integration der Gebärdensprache in das Bildungssystem. Bislang fehlen jedoch flächendeckende Unterstützungsprogramme. Mansarés Arbeit zeigt, wie individuelles Engagement einen wichtigen Beitrag zur sozialen Inklusion leisten kann.

Quellen: Africanews EN