Der ehemalige Sprecher des äthiopischen Parlaments, Teshome Toga, hat Ägypten aufgefordert, seine langjährige Nil-Wasserstrategie grundlegend zu überdenken. In einer Rede in Addis Abeba betonte Toga, dass koloniale Abkommen aus dem 20. Jahrhundert nicht länger als Grundlage für die Nutzung des gemeinsamen Flusses dienen könnten. Stattdessen müsse eine moderne, gerechte und nachhaltige Regelung gefunden werden, die den Bedürfnissen aller Anrainerstaaten gerecht werde.
Ägypten bezieht über 90 Prozent seines Trink- und Brauchwassers aus dem Nil und beruft sich traditionell auf historische Verträge, die ihm den größten Anteil sichern. Doch seit dem Bau des Großen äthiopischen Renaissance-Staudamms (GERD) hat sich die Spannung zwischen Kairo und Addis Abeba verschärft. Äthiopien argumentiert, dass der Staudamm für die Energieversorgung des Landes unverzichtbar sei und keine schädlichen Auswirkungen auf Ägyptens Wassermenge habe.
Toga betonte, dass transnationale Flüsse wie der Nil nicht durch veraltete Machtverhältnisse geregelt werden dürften. Vielmehr brauche es einen kooperativen Ansatz, der auf wissenschaftlichen Daten und gegenseitigem Respekt beruhe. Ägypten hat bislang auf diplomatischem Wege auf eine verbindliche Vereinbarung gedrängt, doch konkrete Fortschritte blieben bislang aus. Die Debatte bleibt ein zentraler Streitpunkt in der regionalen Politik Ostafrikas.
Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – Egypt