Tausende kenianische Anwälte haben am Mittwoch einen landesweiten Streik ausgerufen und den Betrieb in den Gerichten eingestellt, um gegen anhaltende Korruption und systemische Verzögerungen in der Justiz zu protestieren. Die Protestaktion betraf Gerichte in Nairobi, Mombasa, Kisumu und weiteren Großstädten, wo Anwälte vor den Justizgebäuden zusammenkamen, um ihre Forderungen nach Reformen zu bekräftigen.
Die Anwaltskammer begründete den Streik mit der zunehmenden Ineffizienz des Justizsystems sowie konkreten Fällen von Bestechung und Amtsmissbrauch. Kürzlich hatte die Ethics and Anti-Corruption Commission (EACC) den Senior Principal Magistrate Martin Kinyua Mutegi aus Kangema verhaftet, dem vorgeworfen wird, eine Bestechung in Höhe von 170.000 Kenia-Schilling (ca. 1.300 Euro) für die Beeinflussung eines Strafverfahrens entgegengenommen zu haben. Die Juristen fordern nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch strukturelle Reformen, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Unabhängigkeit der Justiz wiederherzustellen.
Die Proteste unterstreichen die wachsende Frustration in der Zivilgesellschaft über die Behinderung der Rechtsstaatlichkeit. Bereits seit Monaten klagen Bürger über monatelange Verfahrenspausen, und viele Prozesse enden ohne Urteil. Die Anwälte verlangen von der Judicial Service Commission (JSC), die Suspendierung des beschuldigten Richters dauerhaft zu machen und ein transparentes Monitoring-System für Gerichtsverfahren einzuführen.
Die Regierung hat auf den Streik bislang nicht offiziell reagiert. Beobachter warnen jedoch, dass eine Eskalation droht, falls keine konkreten Maßnahmen zur Entlastung der Gerichte und zur Bekämpfung der Korruption ergriffen werden. Der Protest markiert eine der größten Mobilisierungen der Anwaltschaft seit Jahren und könnte den Druck auf die Justizreformen vor den Parlamentswahlen 2027 weiter erhöhen.
Quellen: Africanews EN, AllAfrica – Kenya