Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Watch steht erneut im Zentrum einer politischen Debatte über ihre Einsätze im zentralen Mittelmeer. Bei einem Rettungseinsatz im Mai hatte das Schiff Sea-Watch 5 rund 90 Migranten von einem Schnellboot vor der libyschen Küste übernommen. Mittlerweile erheben Ermittler die Frage, ob dieser Transfer nicht zufällig, sondern Teil einer abgesprochenen Aktion mit libyschen Schlepperbanden war.
Der Vorwurf: Nicht nur, dass Schlepperboote Migranten auf See absetzen, um den sicheren Transfer in europäische Gewässer zu erhöhen – es bestehe der Verdacht, dass die Übergabe an NGOs wie Sea-Watch Teil eines organisierten Systems ist. Kritiker argumentieren, dass solche Aktionen Anreize für Schlepper schaffen und die Migration weiter befeuern. Befürworter der NGOs betonen hingegen, dass jedes Leben gerettet werden müsse, unabhängig vom Transportweg.
Die genauen Umstände des Mai-Einsatzes werden nun von deutschen und europäischen Ermittlungsbehörden geprüft. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte dies weitreichende Konsequenzen für die Arbeit humanitärer Organisationen im Mittelmeer haben. Libyen bleibt dabei ein zentraler, aber instabiler Ausgangspunkt für Migrationsrouten – ein Land, in dem staatliche Kontrolle brüchig ist und Schlepperbanden weiterhin florieren.
Quellen: FAZ Online