Tschad startet erste nationale Volkszählung seit 2009

Der Tschad hat Ende Juni die dritte Generalbevölkerungs- und Wohnraumzählung (RGPH-3) offiziell gestartet – die erste flächendeckende Volkszählung seit 2009. Die Regierung sieht in der Erhebung eine wichtige Grundlage für die Planung öffentlicher Dienstleistungen, Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklungsprogramme. Gleichzeitig nutzen viele Bürger die Zählung als seltene Gelegenheit, ihre politischen und sozialen Anliegen öffentlich zu äußern.

Die Zählung soll Daten über Bevölkerungsgröße, Altersstruktur, Wohnverhältnisse und Zugang zu Grunddienstleistungen liefern. In der Praxis stoßen die Teams jedoch auf erhebliche logistische Hürden. Vor allem in abgelegenen und infrastrukturell schlecht erschlossenen Regionen gestaltet sich der Zugang zu Haushalten schwierig. In einigen Gebieten reisen Bewohner deshalb eigenständig in nahegelegene Städte, um sich registrieren zu lassen.

Bevölkerung hofft auf bessere Repräsentation

Langjährige Beobachter betonen, dass die Bevölkerung die Zählung nicht nur als statistische Übung wahrnimmt, sondern als politisches Instrument. Viele hoffen, dass eine genaue Erfassung ihrer Existenz zu stärkerer staatlicher Aufmerksamkeit und gerechterer Ressourcenverteilung führt. Besonders ethnische und regionale Minderheiten erhoffen sich durch die Zählung eine bessere politische Repräsentation.

Die Ergebnisse der RGPH-3 werden voraussichtlich in den kommenden Monaten ausgewertet. Ihre Veröffentlichung könnte weitreichende Auswirkungen auf die nationale Politik, die Budgetverteilung und die Planung sozialer Programme haben.

Quellen: France 24 – Africa