Ein besonderes musikalisches Ereignis spielt sich seit Jahrhunderten – zumindest im Prinzip – in Halberstadt ab: Die langsamste Aufführung der Welt, eine Interpretation von John Cages Stück „As Slow as Possible“, hat vor Kurzem ein symbolträchtiges Jubiläum gefeiert – 25 Jahre sind seit Beginn der Performance vergangen.
Gestartet wurde das Projekt im Jahr 2001 in der ehemaligen St. Burchardi-Kirche in Halberstadt, einer historischen Kirchenruine, die seitdem zum Klangkörper für dieses einzigartige Experiment wurde. Die Komposition von John Cage, ursprünglich für Orgel konzipiert, wird hier so extrem verlangsamt, dass die gesamte Aufführung 639 Jahre dauern soll – bis ins Jahr 2660. Jeder Akkord wechselt nur alle paar Jahre, manche halten über eine Dekade an.
Im August 2026 wurde der bisher letzte Klangwechsel begangen – ein Ereignis, das von Musikliebhabern und Neugierigen aus ganz Deutschland besucht wurde. Die Orgel, eigens für diesen Zweck umgebaut, befindet sich in einem kontrollierten Raum, um Temperatur und Feuchtigkeit über Jahrzehnte stabil zu halten. Zwischen den Klangwechseln herrscht Stille – doch diese Stille ist Teil der Kunst.
Das Projekt verbindet Musik, Zeitphilosophie und regionale Kultur. Es hat Halberstadt international bekannt gemacht und zieht jedes Jahr Besucher an, die das Unfassbare erleben wollen: das Vergehen von Zeit, hörbar gemacht. „Es geht nicht um Unterhaltung, sondern um Kontemplation“, sagt ein Organisator. „Hier wird Zeit zur Komposition.“
Quellen: FAZ Online