Frankfurter Psychiatrie-Blick: Ambulante Behandlung auch bei schweren Fällen

In der Frankfurter Vitos Klinik Bamberger Hof wird ein Therapiekonzept gelebt, das bundesweit Vorreitercharakter hat: Die Behandlung schwer psychisch erkrankter Menschen erfolgt ausschließlich ambulant. Das bedeutet, Patienten wohnen nicht stationär, sondern erhalten professionelle Unterstützung im Alltag – nahe ihrem gewohnten Lebensumfeld. „Selbst sehr kranke Menschen haben Fähigkeiten, Strukturen und Ressourcen“, sagt Klinikdirektorin Dr. Sabine Kreß. „Unsere Aufgabe ist es, diese zu stärken.“

Das Modell basiert auf kontinuierlicher Betreuung durch multiprofessionelle Teams, regelmäßigen Therapiesitzungen und Kriseninterventionen direkt vor Ort. Es zielt darauf ab, Zwangseinweisungen und Isolation zu vermeiden. Stattdessen wird Selbstbestimmung gefördert – auch bei Diagnosen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen.

Kreß betont, dass dieser Ansatz nicht nur menschlicher, sondern auch effektiver sei: „Langfristig reduziert er Rückfälle und Entmündigungsfälle.“ Dennoch stoßen ambulante Angebote oft an personelle und finanzielle Grenzen. Die Klinikchefin fordert daher eine stärkere politische Unterstützung, um das System auszubauen. Ihr Ziel: Ein Netzwerk, das jedem Betroffenen ermöglicht, in Würde und mit Perspektive zu leben – mitten in der Gesellschaft.

Quellen: FAZ Online