Der in Köln lebende Autor und Publizist Navid Kermani hat sich erneut intensiv mit seiner Wahlheimat auseinandergesetzt – mit einem Mix aus Zuneigung und deutlicher Kritik. Obwohl er die Vielfalt, Offenheit und Lebendigkeit der Stadt schätzt, macht er keine Gefangenen, wenn es um Missstände geht. Besonders eine „Kultur der Hemmungslosigkeit“ kritisiert er scharf – gemeint sind Lärmbelästigungen, rücksichtsloses Verhalten in der Öffentlichkeit und eine zunehmende Geringschätzung gemeinsamer Regeln.
Kermani, der 2020 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, lebt seit vielen Jahren in Köln und gilt als eine prägende intellektuelle Stimme der Stadt. In einem Interview betont er, dass gerade seine Verbundenheit mit Köln ihn dazu verpflichte, klar zu benennen, was ihm Sorgen bereitet. „Liebe bedeutet nicht, alles schönzureden“, sagt er. „Sie bedeutet, wachsam zu sein und Verantwortung zu zeigen.“
Er beschreibt, wie alltägliche Situationen – etwa nächtlicher Lärm auf belebten Plätzen oder das Ignorieren von Abstandsregeln – das Miteinander belasten. Gleichzeitig lobt er die Willkommenskultur, den kulturellen Reichtum und die politische Engagementvielfalt der Kölner Bürger. Seine Kritik richtet sich nicht gegen die Menschen, sondern gegen Strukturen und eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber Gemeinschaft.
Kermanis Äußerungen lösten in sozialen Medien und Lokalmedien eine breite Diskussion aus. Während einige seine Worte als notwendige Mahnung begrüßen, sehen andere darin eine elitäre Distanz zur urbanen Realität. Unbestritten bleibt jedoch: Mit seiner Stimme lenkt er erneut den Blick auf die Balance zwischen Freiheit und Solidarität in Großstädten – besonders in einer wie Köln, die zwischen Tradition, Diversität und Modernisierung pendelt.
Quellen: Der Tagesspiegel