Kunstschau in Weimar: Gerhard Marcks und die verkannte Bauhaus-Verbindung zum Landleben

Das Bauhaus-Museum in Weimar widmet sich mit einer neuen Ausstellung einem oft unterschätzten Pionier der modernen Kunst: Gerhard Marcks. Als einer der ersten Meister des 1919 gegründeten Bauhauses prägte er maßgeblich dessen frühe Ästhetik – doch anders als viele seiner Kolleg:innen wandte er sich früh ländlichen und figürlichen Motiven zu, was ihn in der kunsthistorischen Erzählung oft an den Rand drängte.

Die aktuelle Schau zeigt eine beeindruckende Auswahl an Holzschnitten, die Marcks zwischen 1920 und 1930 schuf. In ihnen verbindet er die reduzierte Formensprache des Bauhauses mit alltäglichen Szenen aus dem Dorfleben – Tiere, Arbeiter, Familien. Diese Werke offenbaren eine andere Seite des modernen Kunstprojekts: nicht nur urban und funktional, sondern auch verwurzelt in bäuerlicher Tradition und menschlicher Nähe.

Kuratoren betonen, dass die Ausstellung dazu beitragen soll, das Bild des Bauhauses zu erweitern. „Marcks zeigt, dass Modernismus nicht zwangsläufig bedeutet, das Ländliche abzulehnen“, heißt es im Begleittext. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass Marcks später wegen seiner Kunst von den Nationalsozialisten verfolgt wurde – ein Schicksal, das viele Bauhaus-Künstler:innen teilten.

Die Ausstellung läuft bis Ende Oktober und ist Teil eines breiteren kulturellen Reevaluierungsprozesses in Weimar, wo aktuell auch die Rolle Goethes kontrovers diskutiert wird – ein weiteres Zeichen dafür, dass die Stadt ihre kulturelle Vergangenheit neu durchdenkt.

Quellen: MDR – Nachrichten