In Brandenburg sind schätzungsweise 1300 Menschen zwischen 15 und 65 Jahren pflegebedürftig – doch spezialisierte stationäre Angebote für diese Altersgruppe gibt es kaum. In Potsdam hat man eine pragmatische Lösung gefunden: Im Seniorenzentrum am Stern leben derzeit rund 20 junge Menschen gemeinsam mit älteren Bewohner:innen. Diese intergenerationale Wohnform entstand aus Notwendigkeit, doch viele Betroffene beschreiben sie als bereichernd.
Für einige der jungen Bewohner:innen war der Umzug ins Seniorenheim zunächst schwer vorstellbar. „Es klang nach Hölle“, sagt eine 34-Jährige, die nach einer schweren Erkrankung auf intensive Pflege angewiesen ist. Heute betont sie: „Aber es hat mich gerettet.“ Die rund um die Uhr verfügbare Betreuung, die barrierefreie Infrastruktur und die soziale Nähe seien entscheidend für ihre Lebensqualität.
Dennoch bleibt die Situation prekär. Fachleute kritisieren, dass Brandenburg über keine flächendeckenden Einrichtungen für junge Pflegebedürftige verfügt. Die Unterbringung in Altenheimen sei oft die einzige Option – trotz unterschiedlicher Bedürfnisse, Biografien und Aktivitätsniveaus. Expert:innen fordern mehr Investitionen in altersgemischte oder spezialisierte Wohngemeinschaften, um die Selbstbestimmung junger Pflegebedürftiger zu stärken.
Die Erfahrungen in Potsdam zeigen jedoch, dass Koexistenz möglich ist. Gemeinsame Aktivitäten, Gespräche und gegenseitiges Verständnis schaffen Brücken zwischen den Generationen. Dennoch braucht es laut Sozialverbänden eine langfristige Strategie, um die Versorgung junger Pflegebedürftiger in Brandenburg menschenwürdig und zukunftsfähig zu gestalten.
Quellen: Der Tagesspiegel