Im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens, einst Herzstück industrieller Stärke und sozialer Sicherheit, wächst nach Ansicht des Sozialwissenschaftlers Ulrich Schneider ein tiefes Misstrauen gegenüber etablierter Politik. In einem Interview äußert er sich besorgt über die sozialen Folgen jahrzehntelanger Strukturwandel und mangelnder politischer Antworten. „Das Einzige, was gegen die AfD hilft, ist eine gute Politik verlässlicher sozialer Sicherheit“, betont Schneider.
Er blickt zurück auf eine Kindheit in einer Zeit, in der Arbeit, Zusammenhalt und Solidarität noch selbstverständlich waren. Heute sei vieles verschwunden: stabile Arbeitsplätze, soziale Netzwerke, das Vertrauen in Institutionen. Viele Arbeitnehmer fühlten sich enttäuscht, gerade in ehemaligen Industriezentren wie Duisburg, Gelsenkirchen oder Oberhausen. Diese Verunsicherung schlage sich in der Wahlzettelwanderung nieder – hin zur AfD.
Schneider sieht die Ursachen weniger in der Zuwanderung an sich, sondern in der fehlenden Alltagswirklichkeit politischer Maßnahmen. „Es reicht nicht, wenn die Zahlen runtergehen. Es muss sich im Alltag was ändern“, so seine Kritik an der Debatte, die oft an den Lebensrealitäten der Menschen vorbeigehe. Er fordert eine Politik, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Stabilität herstelle – gerade in strukturschwachen Stadtteilen des Ruhrgebiets.
Quellen: Welt Online