Der Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Jens Jaeger (SPD), hat eine Debatte über die Haltung der etablierten Parteien zur AfD angestoßen. In einer aktuellen Äußerung plädiert er dafür, die sogenannte Brandmauer gegenüber der rechtspopulistischen Partei zu überdenken. Seiner Ansicht nach könnte eine solche Öffnung dazu beitragen, das linke politische Spektrum stärker auf die Realitäten der Wählerbedürfnisse auszurichten.
Jaeger begründet seine Position mit Erfahrungen aus der Nachbarregion Dänemark, wo linke Kräfte in bestimmten Kommunen pragmatisch mit rechten Parteien kooperieren, um lokale Anliegen durchzusetzen. Er sei überzeugt, dass ein Ende der strikten Isolierung der AfD in Deutschland insbesondere der SPD helfen könnte, ihre Wählerbasis zurückzugewinnen. „Wenn wir weiterhin so tun, als gäbe es diese Wählerstimmen nicht, verlieren wir weiter an Glaubwürdigkeit“, so der Landrat.
Die Äußerungen stoßen jedoch auf scharfe Kritik aus anderen politischen Lagern. Vertreter von Grünen und Linken warnen vor einer Normalisierung einer Partei, die sie als demokratiegefährdend einstufen. Auch innerhalb der SPD gibt es gemischte Reaktionen. Während einige regionale Funktionäre Jaegers Realpolitikansatz begrüßen, befürchten andere, dass eine solche Haltung das Vertrauen in die liberale Demokratie untergraben könnte.
Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern spielt in der bundesdeutschen Debatte über die AfD eine besondere Rolle: Die Partei ist hier seit Jahren stark verankert, erreicht regelmäßig zweistellige Wahlergebnisse und ist in vielen Landkreisen die stärkste Kraft. Die Diskussion um Umgang und Strategie gegenüber der AfD bleibt daher besonders virulent – und Jägers Äußerung könnte die Debatte nun erneut anheizen.
Quellen: ntv – Nachrichten