Ärztepräsident kritisiert AfD-Parole „Medizinstudenten statt Importärzte“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die AfD in Sachsen-Anhalt für ihre Wahlkampfparole „Medizinstudenten statt Importärzte“ scharf kritisiert. In einer Stellungnahme bezeichnete er die Formulierung als populistisch und gefährlich. „Sie werden dringend gebraucht“, betonte Reinhardt mit Blick auf ausländische Ärzte, die bereits heute eine zentrale Rolle in der medizinischen Versorgung, besonders im ländlichen Raum, spielen.

Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte im Rahmen ihres Wahlkampfs gefordert, die Zulassung ausländischer Ärzte einzuschränken und stattdessen mehr Studienplätze für deutsche Absolventen zu schaffen. Diese Position sei jedoch wenig realitätsnah, so Reinhardt. „Wir haben bereits heute eine Unterversorgung in vielen Regionen. Ohne die Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland wäre die medizinische Grundversorgung in Sachsen-Anhalt teilweise nicht mehr gewährleistet.“

Reinhardt warnte zudem davor, den Ärztemangel politisch zu instrumentalisieren. Solche Debatten schürten unnötig Ängste und trügen nicht zur Lösung des Problems bei. Stattdessen sei ein konstruktiver Ausbau der medizinischen Infrastruktur, mehr Anreize für junge Ärzte und eine bessere Verteilung der Fachkräfte nötig.

Die Diskussion zeigt, wie stark der Fachkräftemangel in der Gesundheitsversorgung mittlerweile auch in ostdeutschen Bundesländern ist. Sachsen-Anhalt gehört zu den Regionen mit der ältesten Bevölkerung und einem besonders hohen Bedarf an Haus- und Fachärzten. Gleichzeitig bleibt das Thema Migration im Gesundheitswesen ein polarisierender Streitpunkt – nicht nur in der Politik, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung.

Quellen: Welt Online (DE, 28.08.2026 00:37), ntv – Nachrichten (DE, 28.08.2026 02:25)