Algerien hat unmittelbar nach dem gescheiterten Militärputsch in Niger am 29. August 2026 vier Kampfjets und zwei weitere Militärflugzeuge in die nigrische Hauptstadt Niamey entsandt, um die Stabilität der dortigen Übergangsregierung unter General Abdourahamane Tiani zu stützen. Dieser Schritt markiert eine bemerkenswerte Abkehr von der langjährigen Nichteinmischungsdoktrin Algiers, das seit der Unabhängigkeit im Jahr 1962 konsequent auf direkte militärische Interventionen in Nachbarländern verzichtet hatte.
Laut Berichten von France 24 und The Africa Report wurde der Putschversuch durch eine Kooperation zwischen den nigrischen Streitkräften und der russischen paramilitärischen Gruppe Africa Corps niedergeschlagen. Dennoch zeigte sich Tiani danach auf externe Unterstützung angewiesen, um seine Kontrolle über die Armee wiederherzustellen. Algeriens schnelle Reaktion deutet auf enge geheimdienstliche und militärische Absprachen hin – möglicherweise auch im Rahmen informeller regionaler Sicherheitskoalitionen jenseits der offiziellen Strukturen der Allianz der Sahelstaaten (AoSS).
Strategische Neuausrichtung im regionalen Machtgefüge
Die Entsendung algerischer Truppen ist nicht nur als sicherheitspolitisches Signal an die Region zu verstehen, sondern auch als indirekte Botschaft an Russland und andere internationale Akteure, dass Algerien weiterhin ein zentraler regionaler Akteur bleiben will. Angesichts der brüchigen Zusammenarbeit innerhalb der AoSS – bestehend aus Mali, Burkina Faso und Niger – scheint Algier nun bilateralere, kontrollierbare Formen der Einflussnahme vorzuziehen.
Die Rückkehr zur Normalität in Niamey verläuft schrittweise, doch die Präsenz ausländischer Militärflugzeuge unterstreicht die anhaltende Unsicherheit. Algeriens unerwartetes Eingreifen wirft neue Fragen über die Zukunft der regionalen Sicherheitsarchitektur im westlichen Sahel auf.
Quellen: France 24 – Africa, The Africa Report