Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Tod der Künstlerin Annemirl Bauer rückt das Potsdamer Kulturzentrum MINSK ihr bisher kaum gewürdigtes Schaffen in den Fokus. Mit der ersten umfassenden Retrospektive erhält die 1939 in Bad Sulza geborene und 1991 in Ostberlin verstorbene Malerin, Bildhauerin und Aktivistin endlich die Anerkennung, die ihr zu Lebzeiten versagt blieb.
Bauer galt als unbequeme Stimme in der DDR-Kunstszene. Ihre Arbeiten thematisierten früh gesellschaftliche Missstände wie Umweltzerstörung, patriarchale Strukturen und die Ausgrenzung von Minderheiten. Trotz ihrer künstlerischen Qualität blieb sie im offiziellen Kunstbetrieb der DDR weitgehend ignoriert – ihre radikale Haltung und ihre lesbische Identität machten sie zum Außenseiter.
Die Ausstellung im MINSK zeigt über 100 Werke aus allen Schaffensphasen: Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Dokumente aus privaten Archiven. Besonders beeindruckend sind ihre sogenannten „Widerstandsbilder“, in denen sie mit symbolhaften Motiven gegen staatliche und gesellschaftliche Unterdrückung protestierte. Die Retrospektive wird auch internationale Aufmerksamkeit auf Brandenburgs lebendige Auseinandersetzung mit der verdrängten Kunstgeschichte der DDR lenken.
Kulturinteressierte können die Ausstellung ab sofort im MINSK Potsdam besuchen. Begleitend sind Vorträge und Führungen geplant, die den feministischen und ökologischen Anspruch von Bauers Werk für die Gegenwart fruchtbar machen wollen.
Quellen: Der Tagesspiegel