Wahlkampf in Berlin: Politiker setzen auf lässige Inszenierung statt inhaltliche Plakate

Der Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September nimmt eine ungewöhnliche visuelle Wendung: Anstelle klarer politischer Aussagen dominieren auf Plakaten und Social-Media-Bildern lässige Posen, T-Shirts und halb nackte Oberkörper. Statt im Anzug vor Parlamentsgebäuden posieren viele Kandidatinnen und Kandidaten im Park, auf dem Fahrrad oder im Café – oft mit wenig bis gar keiner inhaltlicher Botschaft.

Beobachter fragen sich, ob diese Inszenierung Nähe schafft oder lediglich Oberflächlichkeit signalisiert. „Im Berliner Wahlkampf findet man noch weniger Inhalte auf den Plakaten als sonst“, kritisiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Stattdessen dominieren modische Statements: Kandidaten erscheinen vermeintlich entspannt, „verpennt, halb nackt und unmotiviert“, wie es spöttisch heißt.

Die Strategie scheint bewusst gewählt: In einer Stadt mit hohem Anteil junger Wähler:innen und urbaner Lebenskultur soll Authentizität und Alltagstauglichkeit vermittelt werden. Doch die Abkehr von klassischen politischen Symbolen wie Rednerpulten oder Parteilogos birgt auch Risiken. Kritiker befürchten, dass wichtige Themen wie Wohnen, Verkehr und soziale Gerechtigkeit in der visuellen Flut untergehen.

Gleichzeitig bietet der Wahl-O-Mat des Bundeswahlleiters eine sachliche Gegenbalance: Über 30 Aussagen zu zentralen Berliner Politikfeldern helfen Wähler:innen, die Partei zu finden, deren Positionen ihren eigenen am nächsten kommen. Während die Plakate also auf emotionale Nähe setzen, erinnert der digitale Wahlhelfer daran, dass am Ende des Tages Inhalte entscheiden – zumindest theoretisch.

Quellen: FAZ Online, T-Online Nachrichten