Beim „New Bauhaus Festival“ in Weimar drehte sich in diesem Jahr alles um die Zukunft des Bauens. Unter dem Motto Nachhaltigkeit präsentierten Wissenschaftler, Architekten und Start-ups neue Materialien und Technologien, die das Bauen umweltfreundlicher machen sollen. Besonders im Fokus standen unkonventionelle Rohstoffe wie Stroh, kalkbildende Bakterien und sogar menschlicher Urin – letzterer als Quelle für Phosphor und Stickstoff zur Herstellung von Baustoffen.
Stroh wird bereits heute als Dämmmaterial und in Leichtbauwänden eingesetzt, doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Forscher arbeiten daran, Strohbausteine weiter zu verpressen und zu stabilisieren, um sie auch für tragende Wände nutzbar zu machen. Ebenso spannend ist der Einsatz von Bakterien: Spezielle Mikroorganismen können Kalk ausscheiden und so als natürlicher Zementersatz dienen – etwa bei der Rissheilung in Beton.
Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Urin. Durch Aufbereitung lässt sich Phosphor gewinnen, ein wertvoller Rohstoff, der in der konventionellen Bauindustrie bislang aus endlichen Vorkommen gewonnen wird. Die Idee, Abfallprodukte neu zu denken, ist zentral für die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Allerdings betonten Experten auf dem Festival, dass neben technischen Innovationen auch gesetzliche Rahmenbedingungen und Normen angepasst werden müssten, um solche Materialien flächendeckend einsetzen zu können.
Thüringen, mit seiner starken Tradition im Handwerk und der Nähe zu Hochschulen wie der Bauhaus-Universität Weimar, gilt als ideeller Standort für solche Entwicklungen. Das Festival unterstrich einmal mehr die Vorreiterrolle der Region im Bereich nachhaltige Architektur und zirkuläres Bauen.
Quellen: MDR – Nachrichten