Die Tigray People’s Liberation Front (TPLF) hat die derzeitigen Vermittlungsbemühungen des ehemaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo zur Beilegung der Spannungen im Norden Äthiopiens öffentlich infrage gestellt. In einer Stellungnahme aus Addis Abeba erklärte die TPLF, Obasanjos Rolle als Vermittler fehle es an Neutralität sowie an substanziellen und konkreten Vorschlägen für einen nachhaltigen Dialog.
Die Gruppe betonte, dass Friedensprozesse nur dann erfolgreich sein könnten, wenn sie von unabhängigen und glaubwürdigen Akteuren geleitet würden, die klare Handlungsrahmen und Zeitpläne vorlegten. Obasanjos bisherige Ansätze nannte die TPLF „vage“ und ohne greifbare Schritte zur Deeskalation oder Wiederaufnahme politischer Verhandlungen.
Obasanjo wurde von der Afrikanischen Union (AU) beauftragt, als Sondergesandter für den Friedensprozess in der Region Tigray zu agieren. Seine Mission zielt darauf ab, die Beziehungen zwischen der äthiopischen Bundesregierung und ehemaligen TPLF-Vertretern zu normalisieren, nachdem der verheerende Bürgerkrieg in der Region offiziell mit dem Friedensabkommen von Nairobi im Jahr 2022 beendet wurde. Doch bleibt die Umsetzung des Abkommens unvollständig, und Misstrauen auf beiden Seiten behindert den Fortschritt.
Die Kritik der TPLF unterstreicht erneut die Zerrissenheit des Friedensprozesses und die Herausforderungen, vor denen regionale und internationale Vermittler stehen. Beobachter warnen, dass ohne vertrauenswürdige Dialogstrukturen die Gefahr von erneuten Spannungen im Tigray weiterhin besteht.
Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – Ethiopia