Colonia Dignidad: Historikerin enthüllt grausame Wurzeln in Lohmar bei Bonn

Ein bislang wenig beachteter Teil deutscher Geschichte rückt ins öffentliche Bewusstsein: Die Historikerin Holle Meding hat die frühen Jahre der Colonia Dignidad aufgearbeitet – und stößt dabei auf beunruhigende Spuren in Nordrhein-Westfalen. Zentraler Ort ist das ehemalige Jugendheim in Lohmar, einem Städtchen südöstlich von Bonn. Hier begann in den 1960er-Jahren die Machtergreifung des charismatischen Predigers Paul Schäfer, der später in Chile eine brutale Sekte etablierte.

Das Heim in Lohmar diente zunächst als religiöses Erziehungsprojekt, entwickelte sich aber schnell zu einem Ort der Isolation und psychischen Kontrolle. Meding beschreibt, wie Schäfer systematisch Einfluss auf Kinder und Jugendliche gewann, ihnen Angst vor der Außenwelt einflößte und jede Kritik unterband. Diese Methoden nahm er später nach Chile mit, wo die Colonia Dignidad über Jahrzehnte hinweg Folter, Zwangsarbeit und sexuellen Missbrauch betrieb.

Die Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die Verstrickungen deutscher Institutionen. Obwohl Hinweise auf fragwürdiges Verhalten bestanden, griffen Behörden damals nicht entscheidend ein. Erst nachdem Opfer aus Chile in den 1990er-Jahren über die Zustände berichteten, wurde die Colonia Dignidad international bekannt. Medings Forschung unterstreicht nun, dass der Horror nicht erst in Südamerika begann – sondern in der scheinbar idyllischen Landschaft des Rhein-Sieg-Kreises.

Quellen: Welt Online