Die kleine Gemeinde Gerstungen im westlichen Thüringen erwägt einen historischen Schritt: den Austritt aus dem Freistaat und den Wechsel nach Hessen. Bürgermeister Michael Köhler hat öffentlich gemacht, dass die Kommune aufgrund struktureller Benachteiligungen eine Umgliederung in das benachbarte Bundesland anstrebt. „Wir liegen geografisch näher an Kassel als an Erfurt, unsere Schüler fahren nach Hessen zur Schule, unsere Wirtschaft ist dort verflochten – aber wir werden weiterhin wie eine Randregion behandelt“, so Köhler.
Gerstungen liegt direkt an der thüringisch-hessischen Grenze und ist Teil des Wartburgkreises. Trotz der engen wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen mit hessischen Gemeinden wie Hessisch Lichtenau oder Bad Sooden-Allendorf bleibt die Infrastruktur ausgebremst. Laut Köhler fehle es an Investitionen in Straßen, Breitband und öffentlichen Nahverkehr – während die hessischen Nachbarn von besserer Anbindung profitierten.
Ein formeller Antrag auf Gebietsumgliederung ist juristisch äußerst kompliziert und würde eine bundesgesetzliche Regelung erfordern. Zwar gab es in der Nachkriegszeit bereits kleinere Grenzverschiebungen, doch ein freiwilliger Wechsel eines ganzen Ortes ist bislang ohne Präzedenz. Dennoch hofft der Bürgermeister auf politische Unterstützung – nicht nur aus Gerstungen, sondern auch aus anderen grenznahen Regionen Thüringens, die sich ähnlich benachteiligt fühlen.
Quellen: Welt Online