Ägyptens Nil-Strategie muss sich an moderne Realitäten anpassen – Äthiopischer Ex-Sprecher fordert Wandel

Der ehemalige Sprecher des äthiopischen Parlaments, Teshome Toga, hat Ägypten aufgefordert, seine langjährige Nil-Wasserstrategie grundlegend zu überdenken und an die geopolitischen Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen. In einer Rede in Addis Abeba betonte Toga, dass veraltete, kolonial geprägte Abkommen nicht länger als rechtmäßige Grundlage für die Verteilung des Wassers aus dem Nil dienen könnten. Der Nil sei ein grenzüberschreitender Fluss, dessen nachhaltige Nutzung nur durch moderne, gemeinsame Vereinbarungen aller Anrainerstaaten gewährleistet werden könne.

Ägypten bezieht historisch über 90 Prozent seines Wassers aus dem Nil und beruft sich dabei auf Abkommen aus der Kolonialzeit, insbesondere aus den Jahren 1929 und 1959, die dem Land einen Großteil des Wassers zusichern – ohne die oberhalb gelegenen Länder wie Äthiopien einzubeziehen. Mit dem Bau des Großen Äthiopischen Renaissance-Staudamms (GERD) hat sich die Spannung zwischen Kairo und Addis Abeba verschärft. Äthiopien sieht den Staudamm als Schlüsselprojekt für seine wirtschaftliche Entwicklung, während Ägypten befürchtet, dass der zukünftige Betrieb des Damms seine Wasserversorgung gefährden könnte.

Teshome Toga betonte, dass die Zeiten, in denen einzelne Länder über gemeinsame Ressourcen ohne Konsens entscheiden könnten, vorbei seien. Eine kooperative Wassernutzung sei nicht nur notwendig, sondern unvermeidbar angesichts des Klimawandels und der wachsenden Bevölkerung in der Region. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, da die diplomatischen Bemühungen um eine Einigung zwischen Ägypten, Sudan und Äthiopien weiter stocken, obwohl internationale Vermittlungsversuche andauern.

Quellen: AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – Egypt