Der äthiopische Politikwissenschaftler und Experte für internationale Beziehungen, Professor Yacob Arsano, hat Ägyptens Haltung zum Abay-Fluss – dem Blauen Nil – scharf kritisiert. In einer Stellungnahme aus Addis Abeba erklärte Arsano, dass die Position Ägyptens gegen grundlegende Prinzipien der Afrikanischen Union (AU) verstoße, insbesondere jene, die Konsultation, Zusammenarbeit und eine gerechte Nutzung grenzüberschreitender Wasserressourcen vorsehen.
Der Abay, ein Hauptzufluss des Nils, entspringt im äthiopischen Hochland und ist zentraler Bestandteil der seit Jahren andauernden Wasserkonflikte zwischen Äthiopien, Sudan und Ägypten. Während Äthiopien mit dem Großen Äthiopischen Staudamm (GERD) seine Energieautarkie stärken will, befürchtet Ägypten um seine historisch gewachsene Wasserrechte, die auf kolonialen Abkommen beruhen.
Professor Arsano betonte, dass die AU seit langem für eine kooperative Flussbewirtschaftung plädiere, die alle Anrainerstaaten einbeziehe. Ägyptens anhaltende Blockadehaltung gegenüber Abkommen, die eine gleichberechtigte Nutzung ermöglichen, untergrabe dieses Prinzip und behindere eine friedliche, regionale Verständigung. Die Debatte bleibt hochbrisant, da die Wasserverfügbarkeit für alle beteiligten Länder von existenzieller Bedeutung ist.
Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Latest