Die Justizbehörden Liberias ziehen bei den laufenden Ermittlungen im Zusammenhang mit Drogenhandel immer weitere Kreise – bis hinein in die höchsten politischen Ränge. Gegen die ehemalige Vizepräsidentin Jewel Howard-Taylor wird nun offiziell ermittelt, obwohl sie nicht direkt mit dem Transport oder Verkauf von Drogen in Verbindung gebracht wird.
Laut Anklagebehörden soll Howard-Taylor rund 135.000 US-Dollar von Mitgliedern eines internationalen Drogenkartells erhalten haben. Im Gegenzug habe sie ihre politische Stellung genutzt, um die Aktivitäten des Netzwerks im Land zu schützen. Diese indirekte Beteiligung reiche aus, um strafrechtliche Konsequenzen einzuleiten, betonten Staatsanwälte.
Die Angie Brooks International Centre, eine einflussreiche Menschenrechtsorganisation, äußerte sich zu ihrer Festnahme und sprach sich klar für die Aufklärung von Machtmisbrauch aus – jedoch unter strikter Wahrung rechtstaatlicher Prinzipien. „Gerechtigkeit darf nicht selektiv sein“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Debatte über die Rolle mächtiger Eliten im Drogenhandel gewinnt damit an Brisanz.
Fokus auf Schmuggler statt Süchtige
Gleichzeitig betonte die Regierung, der Kampf gegen Drogen müsse sich stärker auf die Drahtzieher konzentrieren als auf junge Abhängige. „Wir müssen die Profiteure jagen, nicht die Opfer“, erklärte ein Regierungssprecher. Dieser Ansatz könnte eine Verschiebung in der Drogenpolitik des Landes einleiten – weg von Repression, hin zu Prävention und strafrechtlicher Verfolgung großer Netzwerke.
Quellen: Liberian Observer, Liberian Investigator