Der inhaftierte tunesische Oppositionsführer Rached Ghannouchi ist am Mittwoch in seiner Haftanstalt in Tunis nach einem Bericht durch eine Hitzewelle bewusstlos geworden. Der Vorfall ereignete sich in der Justizvollzugsanstalt, in der mehrere prominente politische Gefangene festgehalten werden, darunter auch Ahmed Nejib Chebbi, ein langjähriger Gegner der Regierung. Gemäß Augenzeugenberichten kollabierte Ghannouchi im Gefängnisgang, nachdem er über Atemnot und Schwindel geklagt hatte.
Die Tochter von Ahmed Nejib Chebbi, die sich zu einem Besuch im Gefängnis aufhielt, schilderte den Vorfall gegenüber internationalen Medien. Sie berichtete, dass medizinisches Personal Ghannouchi notdürftig versorgte, bevor er in einen abgetrennten Bereich gebracht wurde. Die genauen gesundheitlichen Folgen der Ohnmacht sind bisher nicht bekannt. Menschenrechtsorganisationen sehen den Vorfall als alarmierendes Zeichen für die prekären Haftbedingungen in tunesischen Gefängnissen, insbesondere während der Sommermonate mit Temperaturen über 40 Grad Celsius.
Die tunesische Regierung hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Ghannouchi, ehemaliger Parlamentspräsident und Anführer der islamisch-konservativen Ennahda-Partei, befindet sich seit Monaten in Haft und wurde in mehreren Verfahren verurteilt, die von Kritikern als politisch motiviert bezeichnet werden. Internationale Beobachter warnen vor einer weiteren Verschärfung der Repression gegen politische Gegner unter Präsident Kais Saied.
Quellen: Al Jazeera English