In Algerien verschärft sich die Debatte über religiöse Toleranz und individuelle Freiheit. In den vergangenen Monaten haben sich islamistische Gruppierungen und anonyme Akteure in sozialen Medien verstärkt gegen Praktiken wie Yoga ausgesprochen, die sie als „anti-islamisch“ bezeichnen. Besonders Frauen, die an Yoga-Kursen teilnehmen, werden öffentlich diffamiert, teils mit Drohungen und moralisierenden Appellen. Diese Entwicklung wird von Beobachtern als Teil eines breiteren Trends zur religiösen Einschränkung gesehen.
Hinzu kommt die Rückkehr sogenannter „Moralpolizei“ – selbsternannter Sittenwächter, die Frauen auf offener Straße wegen ihrer Kleidung oder Aktivitäten zurechtweisen. Diese Gruppen agieren oft ungehindert, was auf eine stillschweigende Duldung durch lokale Behörden hindeutet. Kritiker warnen vor einer schleichenden Islamisierung des öffentlichen Raums und einem Abbau säkularer Traditionen, die Algerien seit der Unabhängigkeit prägten.
Intellektuelle, Menschenrechtsorganisationen und oppositionelle Parteien äußern zunehmende Besorgnis. Sie befürchten, dass die algerische Regierung durch ihr Schweigen indirekt extremistische Tendenzen fördert. „Wir erleben einen schleichenden Rückbau der Freiheiten, insbesondere für Frauen“, sagte eine Aktivistin aus Algier gegenüber internationalen Medien. Die Diskussion um Yoga ist dabei symptomatisch für einen tieferliegenden Konflikt zwischen säkularen und religiösen Kräften im Land.
Quellen: The Africa Report