An den Ufern des Kongoflusses bei Kinshasa vollzieht sich ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Wandel: Viele Fischer der Region fangen heute mehr Plastik als Fisch. Laut Berichten von Radio France Internationale (RFI) können sie durch das Sammeln und Verkaufen von Kunststoffabfällen mittlerweile bessere Einkünfte erzielen als durch den traditionellen Fischfang.
Die Gründe liegen in der fortschreitenden Umweltzerstörung. Überfischung, illegale Fangmethoden und die Zunahme von Abwasser und Haushaltsmüll im Fluss haben die Fischpopulationen dramatisch geschwächt. Gleichzeitig häuft sich Plastikmüll entlang der Strömung – eine ungewollte, aber lukrative neue „Beute“ für die lokale Bevölkerung.
Fischer nutzen nun kleine Boote, um Plastikflaschen, Verpackungen und andere Abfälle aus dem Wasser zu fischen. Diese werden anschließend an Recyclinghändler verkauft, die den Müll sortieren und weiterverarbeiten lassen. Obwohl dies kurzfristig eine Überlebensstrategie darstellt, unterstreicht es zugleich das Ausmaß der ökologischen Krise am zweitgrößten Fluss Afrikas.
Gefährdung einer traditionellen Lebensweise
Experten warnen, dass dieser Trend langfristig die kulturelle und wirtschaftliche Identität der Flussgemeinden untergräbt. Der Fischfang war jahrhundertelang eine tragende Säule der Ernährungssicherheit und des lokalen Handwerks. Ohne dringende Maßnahmen zur Renaturierung des Flusses und zur Abfallbewirtschaftung könnte diese Tradition verschwinden.
Umweltschutzorganisationen fordern stärkere staatliche Regulierung, Investitionen in Abfallentsorgung und Bildungsprogramme, um sowohl die Umwelt als auch die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zu schützen.
Quellen: RFI