Somaliland: Internationale Debatte übersieht Benachteiligung von Mädchen

Während die geopolitische Debatte um die Anerkennung Somalilands neue Aufmerksamkeit erhält, warnen Experten davor, dass die grundlegenden Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen systematisch ignoriert werden. Obwohl Israel im Dezember eine faktische Anerkennung signalisiert hat und Somaliland am 16. Juni eine Botschaft in Jerusalem eröffnete, konzentrieren sich diplomatische Diskussionen fast ausschließlich auf Souveränität – nicht auf soziale Gerechtigkeit.

In weiten Teilen Somalilands haben Mädchen weiterhin nur eingeschränkten Zugang zu Bildung. Laut Analysen afrikanischer Thinktanks liegt die Schulbesuchsraten unter Mädchen bei weniger als 40 Prozent, besonders in ländlichen Gebieten. Frühverheiratung, mangelnde sanitäre Einrichtungen und kulturelle Barrieren bleiben zentrale Hindernisse für ihre Entwicklung.

Gesundheit und Sicherheit im Fokus

Auch im Gesundheitsbereich gibt es eklatante Defizite. Die Müttersterblichkeit ist hoch, und reproduktive Gesundheitsdienste sind oft unzugänglich. Zudem fehlen wirksame Schutzmechanismen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Trotz lokaler Initiativen bleibt die finanzielle und politische Unterstützung ausbleibend – auch weil internationale Gelder oft an staatliche Strukturen gebunden sind, die Somaliland offiziell nicht anerkennen.

„Solange die Welt nur über Grenzen und Botschaften redet, statt über Rechte und Chancen, werden Mädchen weiterhin unsichtbar bleiben“, heißt es in einem aktuellen Bericht von African Arguments. Die Debatte müsse dringend um soziale Indikatoren erweitert werden – von Schulbildung bis Gleichstellung. Nur dann könne echte Stabilität entstehen, warnten Aktivist:innen.

Quellen: AllAfrica – East Africa