Spannungen in Westtigray: Neue Allianzen verschärfen regionale Unsicherheit

Obwohl die offenen Kämpfe in Westtigray in den vergangenen Wochen nachgelassen haben, verschärfen sich die geopolitischen Spannungen in der Region. Nach Berichten von Beobachtern bilden sich zunehmend neue, instabile Allianzen zwischen eritreischen Militäreinheiten, der nationalistisch geprägten Fano-Miliz und verbliebenen Kräften der Tigray People’s Liberation Front (TPLF). Diese Entwicklung könnte die Kontrolle der äthiopischen Zentralregierung unter Premier Abiy Ahmed in der umkämpften Zone gefährden.

Umstrittenes Gebiet Welkait im Fokus

Das Gebiet Welkait in Westtigray bleibt der zentrale Streitpunkt. Es wird von verschiedenen ethnischen Gruppen beansprucht und hat strategische Bedeutung sowohl für Äthiopien als auch für den Nachbarn Sudan, der eigene Interessen in der Region verfolgt. Sollte Addis Abeba an Einfluss verlieren, könnte Sudan stärker in die Dynamik eingreifen – was die Konfliktlage weiter eskalieren ließe.

Analysten warnen, dass eine Koalition zwischen Eritrea, Fano und Teilen der TPLF, die sich bisher als Gegner gegenüberstanden, eine neue und unvorhersehbare Bedrohung für die nationale Stabilität darstellen würde. Solch eine Allianz wäre weniger ideologisch geprägt und vielmehr durch taktische Interessen motiviert – was die Vermittlung durch internationale Akteure zusätzlich erschweren könnte.

Die äthiopische Regierung hat bislang keine umfassende öffentliche Stellungnahme zu den Berichten abgegeben. Doch die Lage in Westtigray bleibt ein kritischer Brennpunkt, der die fragile Friedensordnung nach dem Tigray-Krieg erneut auf die Probe stellen könnte.

Quellen: The Africa Report