Seit dem Abschluss des Friedensabkommens von Pretoria im Jahr 2022, das den brutalen zweijährigen Bürgerkrieg in der äthiopischen Region Tigray beendete, herrschte vorübergehend Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Doch aktuelle Entwicklungen zeigen, dass tiefgreifende politische und territoriale Streitfragen weiterhin ungelöst sind. Die Tigrayische Volksbefreiungsfront (TPLF), einst eine dominante Kraft im äthiopischen Regierungsbündnis, nutzt die Waffenruhe, um ihre politische Basis wiederzubeleben – was bei der Zentralregierung unter Premierminister Abiy Ahmed Misstrauen weckt.
Frieden brüchig – Vertrauen kaum vorhanden
Obwohl offene Kampfhandlungen eingestellt wurden, bleibt die Umsetzung zentraler Punkte des Abkommens stockend. Dazu gehören die vollständige Demobilisierung von Milizen, die Wiedereingliederung Tigrays in staatliche Institutionen sowie die Klärung der Kontrolle über umstrittene Gebiete wie das westliche Tigray. Internationale Beobachter warnen, dass die wiedergewonnene Handlungsfähigkeit der TPLF in der Region als Bedrohung wahrgenommen wird, was zu einer neuen Eskalationsdynamik führen könnte.
Region am Scheideweg
Die humanitäre Lage in Teilen Tigrays bleibt prekär, obwohl Hilfsorganisationen nun größeren Zugang haben. Gleichzeitig berichten lokale Medien von gezielten Mobilisierungen und politischer Neuausrichtung durch die TPLF. Experten befürchten, dass eine erneute Polarisierung zwischen Addis Abeba und Mekelle, der Hauptstadt Tigrays, das fragile Gleichgewicht gefährdet. Die internationale Gemeinschaft ruft beide Seiten zu Dialog und vollständiger Umsetzung des Pretoria-Abkommens auf, um einen Rückfall in Gewalt zu verhindern.
Quellen: Al Jazeera English