In der nordäthiopischen Region Tigray zeichnet sich eine neue politische Krise ab: In der Hauptstadt Mekelle beanspruchen zwei Männer das Amt des regionalen Präsidenten. Auf der einen Seite steht Lieutenant General Tadesse Worede, von der zentralen Regierung in Addis Ababa eingesetzt, um die Region bis zu vorgesehenen Wahlen zu führen. Auf der anderen Seite bleibt Debretsion Gebremichael, langjähriger Vorsitzender der Tigray People’s Liberation Front (TPLF), die die Region jahrzehntelang regierte und den verheerenden Bürgerkrieg von 2020 bis 2022 maßgeblich prägte.
Der Konflikt, der nach offiziellen Schätzungen Hunderttausende Todesopfer forderte, war 2022 mit einem Waffenstillstand beendet worden. Seitdem versucht die äthiopische Regierung unter Premierminister Abiy Ahmed, die Autorität in Tigray wiederherzustellen. Doch die TPLF lehnt die von Addis Ababa eingesetzte Verwaltung ab und beharrt auf Gebremichels Legitimität. Diese institutionelle Doppelherrschaft untergräbt die fragile Stabilität und könnte zu einer Eskalation führen.
Beobachter warnen, dass die Blockade der politischen Normalisierung und das Fehlen einer Einheitsregierung in Tigray das Friedensabkommen weiter beschädigen. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Lage aufmerksam, da eine erneute Eskalation nicht nur die Region destabilisieren, sondern auch die gesamte Horn-of-Africa-Region gefährden könnte.
Quellen: AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – East Africa, France 24 – Africa