Eine neue Ausstellung im thüringischen Erfurt wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung. Unter dem Fokus auf Erotikläden der Nachwendezeit untersucht die Schau, wie in den 1990er Jahren zahlreiche Sex-Shops in ostdeutschen Kleinstädten und ländlichen Gebieten entstanden – oft an Orten, die zuvor wenig kommerzielle Aufmerksamkeit erhielten.
Die Ausstellung zeigt, wie diese Läden nicht nur als Anzeichen sexueller Liberalisierung fungierten, sondern auch als Symbole für ökonomische Umbrüche. Viele ehemalige Produktionsstätten oder leerstehende Ladenlokale wurden kurzerhand zu Erotikzentren umfunktioniert. Dies spiegele die Suche nach neuen Geschäftsmodellen in strukturschwachen Regionen wider, so die Kurator:innen.
Neben historischen Fotografien, Werbematerialien und Zeitzeugenberichten veranschaulicht die Schau auch, wie sich die Wahrnehmung dieser Läden wandelte – von anfänglicher Ablehnung hin zu einer gewissen Normalisierung. Gleichzeitig werde deutlich, dass viele dieser Betriebe heute verschwunden sind, verdrängt durch Onlinehandel oder Gentrifizierung.
Die Ausstellung in Erfurt will damit mehr als bloße Sensation vermitteln: Sie positioniert die Sex-Shops als ernsthafte Zeitzeugen eines komplexen Transformationsprozesses – zwischen Hoffnung, Orientierungslosigkeit und wirtschaftlichem Neuanfang im Osten Deutschlands.
Quellen: MDR – Nachrichten, MDR – Deutschland